GOLF TIME 5/2019

TIME OUT

Tödliches Geschoß

E

s geht ja nicht um Leben oder Tod“, ist so ein gemeinhin scherz- hafter Spruch am ersten Abschlag,

Bekanntestes Beispiel ist der Fall von Corina Remande, 49, die beim 42. Ryder Cup im Le Golf National bei Paris vom verzogenen Ball des vierfachen Major- Siegers Brooks Koepka am Kopf getroffen wurde. Der Ball verursachte eine „Explosion des Augapfels“, die Französin ist seither auf dem rechten Auge blind. Alles richtig gemacht haben die vier Frauen am 29. Juni 2012 im GC Waldeck, als ein Gewitter losbrach. Sie suchten

„es geht um viel mehr...“. Wer solche Worte salopp in die Runde schmeißt, kann sich der Lacher sicher sein. Tatsächlich ist Golf alles andere als eine Lach-Nummer: Jährlich sterben weltweit rund 4.500 Menschen auf Golfplätzen und Golf zählt zu den Top 10 der risikoreichsten Sportarten. Blitzschlag ist die häufigste Todes-Ursache, Herzinfarkt steht – alters- bedingt – an zweiter Stelle, aber bereits an dritter Position der Todesursachen stehen

SCHICKSAL Die 6-jährige Aria Hill wurde von ihrem Vater beim Abschlag tödlich getroffen

Schutz in einer nahegelegenen Hütte, doch die Trolleys davor wirkten wie ein Blitz- ableiter: Drei Frauen waren durch einen Blitzschlag auf der Stelle tot, die vierte verstarb wenig später im Krankenhaus. Katastrophen wie jene der vier Frauen sind offensicht- lich kaum zu verhindern, wobei in der Folge fast alle Clubs inzwischen Schutzhütten mit Blitzableiter errichtet haben. Vor Golfbällen, die wie Todesgeschosse durch die Luft fliegen, besteht da eher eine Chance, sich zu schützen: Auf jeden Fall sich immer hinter dem schlagenden Golfer positionieren, selbst seitlich stehend ist schon ein großer Risiko-Faktor. Und wenn man entlang des Fair- ways steht/geht, genau die Flugbahn des Balles verfolgen. Denn selbst der Fore-Ruf des Schützen kann einen Treffer mitten unter den Zuschauern kaum verhindern. Bleibt nur zu hoffen, dass Schicksalschläge wie die hier beschriebenen die Ausnahme sein mögen. Und dass Sie in Zukunft auf der Runde sich bewusst sind, wie rasch eine schöne Golfrunde zu Ende gehen kann.

unkontrolliert durch die Luft fliegende Golfbälle. Die kleine weiße Kugel als lebensgefährliches Geschoss. Der jüngste (aktuelle) tragische Golf-Unfall: Mitte Juli wurde in Orem, Salt Lake City (Utah), die 6-jährige Aria Hill von ihrem Vater Kellen beim Tee-Shot am Hinterkopf getroffen. Die einzige Tochter sackte vornüber, hatte sofort das Bewußtsein verloren und starb wenig später im Kran- kenhaus. Aria saß im Golf-Cart etwa 20 Meter schräg vor dem Abschlag, und kaum jemand war sich der lauernden Gefahr bewusst! Eine Gefahr, die praktisch bei jedem Golfschlag besteht: Beim Tee-Shot hat der Ball eine Geschwindigkeit von etwa 250 km/h, selbst die Endgeschwindigkeit beträgt noch immer 100 km/h. Der Golfball hat mit einer Masse von 46 Gramm eine nicht unerhebliche kinetische Energie, ist geradezu ein tödliches Geschoss. Unglaublich, wenn gerade bei den großen Turnieren tausende Zuschauer von der Tee-Box bis zum Grün haut- nah am Geschehen stehen und sich einer unberechen- baren Gefahr aussetzen.

OSKAR BRUNNTHALER ob@golftime.de

Die nächste

erscheint am 16. September 2019

98

GOLF TIME | 5-2019

www.golftime.de

Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online