GOLF TIME 6/2021

EDITOR’S INTRO

ERKENNTNIS Ja, sensationell: Wider Erwarten hat Europa den Solheim Cup auswärts gewonnen, die Titelverteidigung ist tatsächlich gelungen. Logisch, dass die Damen den Zuschlag für die Coverstory bekommen haben („Solheim Cup in Euro Hand“, ab Seite 20). So weit, so gut. Ich möchte aber ganz speziell auf unser Interview mit Leonie Harm aufmerksam machen, das alles andere als „harm-los“ ist. Sie kennen Leonie Harm nicht wirklich? Dann lesen Sie das exklusive Interview („Ich war so weit, gar nicht antreten zu wollen“, ab S. 36), in dem sie ganz ehrlich Alles andere als harm los

und offen das Dilemma eines Spitzengolfers beschreibt. Sie gesteht, „dass Leistungssportler zu sein der beste Beruf ist, wenn es gut läuft. Und wenn nicht? Eher weniger...“ Sicherlich eine Verharmlosung des bein- harten Golf-Business. Hinter dieser glasklaren Analyse verbirgt sich auch so viel Ehrlichkeit, dass sich jeder, der Ambitionen hat, Profisportler zu werden, dieses Interview unters Kopfkissen legen möge – es wird schon was hängenbleiben. Leonie Harm, 23, mehrmalige Deutsche Meisterin, Vierte der Amateur-Weltrangliste, Mitglied des Teams

„Klarer Vorwurf: Du kannst doch ein Major nicht einfach so sausen lassen! Klare Antwort: Mit einem gebrochenen Bein würde ich auch nicht spielen, nur weil es ein Major ist“

LEONIE HARM Selbstkritisch

Europa beim Junior Solheim Cup 2015 und mit dem Titel „Female Scholar Athlete of the Year 2018/19“ ausgezeichnet, wechselte 2020 ins Profilager und etablierte sich mit vier Top-Ten-Plazierungen in der Spitzengruppe der LET-Rangliste. Sie wurde auch als Kandidatin für das Solheim-Cup-Team gehandelt, doch – was geschah dann? Vor der Evian Championship, immerhin ein Major, war sie so weit, auf einen Start zu verzichten, „nur“ weil sie einfach nicht mehr wusste, „wie man Golf spielt“. Der allgemeine Tenor: Du kannst doch nicht ein Major einfach so sausen lassen. Leonie Harm: „Mit einem gebrochenen Bein würde ich auch nicht spielen, nur weil es ein Major ist.“ In diesem Zustand der Verzweif lung (13 Bälle auf der Proberunde verloren) spielte sie zwei Wochen später bei der Women’s Open einen – für sie selbst überraschenden – siebten Rang heraus. Aber lesen Sie selbst ... Wie hart das Brot im Leistungssport ist, dokumentiert auch der aktuelle Global Odds Index, der unter anderem besagt, dass die Chance, Golfprofi zu werden, in Deutschland 1 zu 109.995 steht („Time Out“, Seite 90). Kein leichtes Unterfangen.

OSKAR BRUNNTHALER Chefredakteur

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GOLF TIME | 6-2021

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