GOLF TIME 6/2025
KOLUMNE
EINTAGSFLIEGE – DIE GRÜNE SICHT! I ch nehme gerne den Ball von Oskar Brunnthaler aus seinem „TIME OUT“ der letzten Ausgabe auf, um die leidige Entwicklung der Platz reifekurse, was Dauer und Intensität betrifft, auch aus Sicht des Greenkee pings zu kommentieren. Ein Teil der Regelkunde betrifft das Verhalten auf dem Platz, die viel beschworene Etikette, an der sich selbst in ange stammten Golferkreisen die Geister scheiden (können). Den „Turbo Platzreifekursen“ – in aller Regel an einem Wochenende abgehalten – fehlt es mangels Zeit an zahlreichen wich tigen Elementen. Beispielsweise an einer ausführlichen Platzbegehung, dem Auseinandersetzen und Einrei hen in den Spielbetrieb sowie in der Regel auch der Begegnung mit einem bemannten Pflegefahrzeug. Fachgerechtes Wiedereinsetzen von Divots oder die Ausbesserung von Pitchmarken sind auf der Driving Range, wenn überhaupt, nur in theo retischer Form zu erlernen. Die Zeit ist knapp und zuallererst muss der Ball vom Rollen zum Fliegen gebracht werden – man hat sich ja gleich für den nächsten Tag schon eine Startzeit zur „prime time“ reserviert. Tauchen dann beim Spiel unter der Woche plötzlich an allen Ecken ver schiedene Pflegemaschinen auf, wird es für die Greenkeeper unberechenbar und vor allem auch gefährlich. Es wer den Maschinen von hinten überspielt und Grüns während des Mähgangs angespielt. Eine klare Kommunikation mit Handzeichen ist infolge von social media und KI völlig aus der Mode ge kommen. Unerlässlich sind hingegen Posts von jeder Bahn an die brennend interessierten Follower, denn die Run de dauert ja eh fünf Stunden, weil man ständig auf die Greenkeeper aufpassen muss. Mehr „betreutes Spielen“ für die „Turbos“ ist daher unerlässlich. In diesem Sinne, Ihr
Hinter der oft stürmischen Fassade steht ein Mann, der seine Erdung in der Familie findet
Putter, der auch in Drucksituationen eis kalt blieb. In den folgenden Jahren kamen mehrere PGA-Tour-Siege hinzu, wenn gleich er nach der Verbotserklärung des „Anchorings“ eine längere Durststrecke durchleben musste. Doch Bradley kämpfte sich zurück, stellte sein Spiel komplett um und feierte 2022 mit dem Sieg bei der Zozo Championship sowie weiteren Top-Platzie rungen sein sportliches Comeback. Heute gilt er wieder als feste Größe – nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch wegen seiner unermüdlichen Leidenschaft für den Ryder Cup, den er stets als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet hat. VOM AUSSENSEITER ZUM CAPTAIN Ein weiteres Kapitel, das Bradley in die Herzen vieler Fans rückte, war seine Nicht Berücksichtigung für den Ryder Cup 2023 in Rom. Obwohl er eine der besten Saisons seiner Karriere spielte, entschied sich Captain Zach Johnson gegen ihn – und für jüngere Spieler wie Justin Thomas. Bradley nahm die Entscheidung sportlich, doch die Enttäuschung war ihm anzuse hen. Millionen Golf-Fans konnten diesen Moment später in der Netflix-Serie „Full Swing“ miterleben, als Bradley vor laufen der Kamera über seine bittere Ausbootung sprach. Diese Szene machte ihn verletzlich, aber auch nahbar – plötzlich war er nicht mehr nur der polarisierende Hitzkopf, son dern ein Kämpfer, der trotz Rückschlägen
weiter an sich glaubt. Dass nun ausge rechnet er zum Kapitän berufen wurde, gibt seiner Geschichte eine fast filmreife Wendung: Vom übergangenen Kandidaten zum Gesicht einer ganzen Golf-Nation. DER UNERWARTETE ANFÜHRER In der langen Tradition amerikanischer Ryder-Cup-Kapitäne wirkt Bradley wie ein Bruch mit dem Gewohnten. Norma lerweise fiel die Wahl auf Männer Mitte 40 oder älter, deren beste sportliche Tage hinter ihnen lagen. Namen wie Davis Love III, Tom Lehman oder Corey Pavin stehen dafür, dass das Kapitänsamt so etwas wie eine Auszeichnung für das
HUBERT KLEINER Past-Präsident des deutschen Greenkeeper-Verbands
Daumen hoch: Keegan Bradley blickt voller Zuversicht auf die anstehende Aufgabe
32 GOLF TIME | 6-2025
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