GOLF TIME 6/2025
DAS GÖTZITAT
LASST DEN WOOKIEE GEWINNEN! Das anstehende Ryder-Cup-Duell zwischen Team Europe und Team USA beinhaltet schon so genug Zündstoff – nun kommt auch noch Donald Trump nach Bethpage Black ...
W
er sich im Star-Wars-Universum auf einen Wettstreit mit einem Wookiee einlässt und diesen zu
man viel besser damit umgehen. Bei einem nor malen Tour-Event kommen derlei Dinge eigent lich nicht vor. Deshalb bringt es mich da schon mal aus der Ruhe, wenn jemand Beleidigungen ruft – vor allem, wenn sie sich gegen die Familie richten. Solange es nur um mich geht, bleibe ich beim Ryder Cup tiefenentspannt. Ich habe schon alles gehört.“ Möglicherweise jedoch haben sich die Veran stalter mit ihrer maßlosen Geldgier selbst ein Bein gestellt – zumindest wenn man darauf setzt, dass sich die Fans ähnlich benehmen wie bei der WM Phoenix Open 2024, als sich das Publikum wie die sprichwörtliche offene Hose aufführte. Denn mit stolzen 750 U.S.-Dollar Kosten für ein Tagesticket läuft man Gefahr, die wildesten – aber oft auch einkommensschwä cheren – Krawallmacher durch Preis-Gentrifi zierung auszuschließen (zum Vergleich: in Rom kostete die Karte rund 270 U.S.-Dollar). In der Vergangenheit hat diese Strategie z. B. bei der Super Bowl oder in der englischen Premier League dazu geführt, dass die lautstar ken Stimmungsmacher dem Stadion fernblie ben und auf günstigere Public Viewings aus wichen. Allerdings ist die Hoffnung auf Ruhe trügerisch – selbst bei diesen astronomischen Preisen hätte man das x-fache Kontingent der rund 60.000 Tageskarten verkaufen können. Ein prominenter Ehrengast hat sein Kommen schon bestätigt: U.S.-Präsident Donald Trump wird höchstpersönlich beim Kontinentalver gleich auftauchen. Und sollte Team USA in Rückstand liegen, würde es mich nicht wun dern, wenn die Wettbüros Quoten anbieten, ob der Präsident höchstselbst als „Commander in Chief“ das Zepter an sich reißen könnte. Für einen Mann, der sich kürzlich als neuer Papst inszeniert hatte, wäre auch das kein völlig unrealistisches Szenario. Und Gnade den U.S.- Spielern Gott, sollten sie vor den Augen des Mannes den Kürzeren ziehen, für den Verlieren die größtmögliche Schande darstellt – da würde sich selbst ein Wookie schnellstmöglich aus der Schusslinie begeben.
seinen Gunsten entscheiden kann, läuft Gefahr, von dem stinksauren Fellmonster die Arme aus gerenkt zu bekommen. Wenn ich mir vorzustel len versuche, wie die Reaktion der „jetzt noch großartigeren“ Amerikaner auf eine Niederlage beim Ryder-Cup-Heimspiel ausfallen könnte, habe ich Angst, dass die Realität jede meiner dystopischen Fantasien übertreffen könnte. Dampf ist jedenfalls reichlich im Kessel. Der hysterische Nationalstolz lässt keinen Raum für Versagen – ein Scheitern muss mit allen Mitteln verhindert werden. Da trifft es sich gut, dass ausgerechnet die Golffans in Bethpage Black bereits bei zahlreichen Major-Turnieren bewie sen haben, dass Etikette hier höchstens noch auf Bierflaschen zu finden ist. Bei der U.S. Open 2002 auf der knackschwe ren Wiese vor den Toren New Yorks wurde etwa Sergio García derart penetrant provoziert, dass der Spanier den Zuschauern entnervt den Mittelfinger zeigte. Doch wer glaubt, die Meute würde sich nur auf Nicht-Amerikaner stürzen – selbst Tiger Woods wurde damals mit Sprüchen wie „heul nicht rum, du hast ein eigenes Video spiel!“ verspottet, als er sich zu deutlich über die alkoholisierten Fans beschwerte. Bei der Open 2019 geriet dann Brooks Koepka ins Visier, der sich während einer spielerischen Schwächeperiode mit „DJ“-Sprechchören (für Dustin Johnson) konfrontiert sah und letztlich den Sieg verpasste. Hätte man gezielt nach einem Ort gesucht, der ein Maximum an Explosivität bietet – Bethpa ge Black wäre die perfekte Wahl gewesen. Ich hatte mir zuvor jedenfalls nie Gedanken darüber gemacht, ob ich mich beim Besuch eines Ryder Cups besser neutral kleiden sollte, um nicht als Unterstützer des europäischen Teams erkannt zu werden. Team Europa stellt sich ebenfalls auf das Schlimmste ein – von Zwischenrufen im Schwung über niveaulose Beleidigungen der Spielerfrauen bis hin zur drohenden Zwangs ausweisung im Falle einer Titelverteidigung ist alles denkbar. Shane Lowry meinte dazu: „Ich glaube, wenn man sich mental auf so etwas vorbereitet, kann
GÖTZ SCHMIEDEHAUSEN Ambitionierter Hobbygolfer mit variablem Handicap
„Und Gnade den U.S.-Spielern Gott, sollten sie vor den Augen des Mannes den Kürzeren ziehen, für den Verlieren die größt mögliche Schande darstellt ...“
In diesem Sinne: „Der Zirkus ist in der Stadt – lasst die Clowns in die Manege!“ GT
GOLF TIME | 6-2025
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