GOLF TIME 5/2019

TRAINING | SPORTPHYSIO

DR. CHRISTIAN HAID Biomechaniker, Universitätsklinik Innsbruck

SCHICK IHN AUF DIE UMLAUFBAHN

LERNWEG Wie Sie das Drehmoment begreifen und am besten umsetzen können.

E in Leser meiner Artikel hat mir eine Anleitung für den Golfschwung geschrieben, die den Punkt trifft: „Schick den Schläger auf die Um- laufbahn und dreh dich.“ Um diese An- leitung umzusetzen, benötigt man sicher- lich Bewegungsgespür und Talent, aber sie bezieht sich auf Dynamik, auf das Schwin- gen des Schlägers und sie leitet das Wich- tigste an: Der Schläger muss schwingen! Mit dieser Vorgehensweise hat der Schläger eineAnfangsgeschwindigkeit unddurchdie Drehbewegung entsteht eine zusätzliche Kraft, die auf den Schläger wirkt. Somit machen zwei Kräfte den Schlä- gerkopf wirklich schnell.

ständig statisch Körperhaltungen beschrei- ben. Der meistgewählte Zugang scheint jedoch mit dem richtigen Griff zu beginnen und setzt sich damit fort, wie der Schläger am Ende des Rückschwunges stehen soll.

nen kurzen Rückschwung durchgeführt zu haben. Wir lernen nicht die Kräfte zu spüren, die bei dynamischen Bewegungen auftreten. Daher wähle ich einen gänzlich anderen Zugangsweg. Dieser ist natürlich nicht so leicht schriftlich fest zu halten, da eben Dynamik im Spiel ist. Auch wenn es kaum dazu führt, dass ein Leser aufgrund meiner Ausführun- gen genau weiß, was er tun soll, erkläre ich doch ganz kurz, welcher Haupteffekt beim Golfschwung wirkt. Das Drehen eines Gegen- standes erfolgt durch ein Dreh- moment. Ein Drehmoment ist ein Kräftepaar. Stellen Sie sich vor, jemand schiebt einen Tisch am rech- ten Tischende nach vorne und Sie ziehen am linken nach hinten, dann dreht sich der Tisch. Grundsätzlich muss Analoges für den Golfschläger gelten. Die zwei wirksamen Kräfte sind die Zentrifugalkraft und die Kraft der Arme. Setzen wir die Kraft in die richtige Richtung mit der entsprechen- den Größe ein, dann erzeugen wir eine hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit. Aber Achtung, die Formel für die Zentrifugalkraft lautet: Fz = m * v2 / r. Die Geschwindigkeit des Schlägerkopfes kommt mit dem Quadrat vor, das macht es notwendig, den Schwung besonders ruhig zu beginnen und dann erst zu beschleunigen. Die Formel zeigt das deut- lich auf, nur um das zu lernen und zu er- fassen wäre es viel leichter, all das zu sehen und zu spüren. GT

Auf diesem Lernweg arbei- ten wir mit Stellungs-

rezeptoren in unse- rem Körper. Diese sind sehr unge- nau und ständig holen wir sehr weit aus, obwohl wir glauben, ei-

„STELLEN SIE SICH VOR, JEMAND SCHIEBT EINEN TISCH AM RECHTEN TISCHENDE NACH VORNE UND SIE ZIEHEN AM LINKEN NACH HINTEN. DANN DREHT SICH DER TISCH“

Es ergibt sich ein Dreh- moment, und Topgol- fer haben gelernt, dieses Drehmoment perfekt einzusetzen. Ich gehe da- von aus, dass die meisten Golfer eine „hands on“- Unterstützung benöti-

gen. Diese muss Dyna- mik anleiten, nicht

Fred Couples hat einen der „coolsten“ Schwünge der Welt. Wie kann man mit so wenig sichtbarem Aufwand soweit schlagen?

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GOLF TIME | 5-2019

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