GOLF TIME 6/2021
D ie Favoritenrolle vor dem diesjähri- gen Solheim Cup im Inverness Club in Toledo, Ohio, lag klar bei den Gastgebern aus USA. Erst einmal in der Geschichte, 2013 in Colorado, konnte das europäische Team auf US-Boden gewinnen. Mit der frisch gebackenen Women’s Open- Siegerin Anna Nordqvist (Platz 15) rangierte lediglich eine einzige Europäerin in den Top 25 der Damen-Weltrangliste. Team USA konnte dagegen mit Nelly Korda auf die unangefochtene Nummer eins im Damen- golf zurückgreifen und präsentierte zudem fünf weitere Spielerinnen mit Top-25-Status. Der ohnehin gewaltige Heimvorteil des aus- tragenden Teams wurde in diesem Jahr noch verstärkt, da aufgrund der Corona-Einreise- beschränkungen praktisch keine europäischen Fans vor Ort waren und so die Kulisse ganz in die Farben Blau-Weiß-Rot gehüllt war. AUFTAKT NACH MASS Doch irgendwie spürte man von Anbeginn, dass das titelverteidigende Team aus Europa eine realistische Chance hatte, die Sensation zu schaffen. Kapitänin Catriona Matthew, die schon vor zwei Jahren das Euro-Team
im schottischen Gleneagles zum Sieg führte, setzte auf bewährte Kräfte und mischte sie mit jungen, hungrigen Rookies. Die erste Ses- sion am Eröffnungssamstag gab dann gleich treffend den Takt vor. Mit 3,5 zu 0,5 Punkten im Format Klassischer Vierer düpierten die Europäerinnen das von Pat Hurst angeführte US-Team. Konsterniert bliesen diese am Nachmittag zum Gegenangriff, wobei es, wie schon so oft beim Solheim Cup, wieder ein- mal zu einer unnötigen Regeldiskussion kam. REGEL-KONTROVERSE In der Begegnung von Nelly Korda und Ally Ewing gegen Madelene Sagstrom und Nanna Koerstz Madsen puttete die Weltranglisten erste auf Loch 13 beim Stand von all square zum Eagle und Lochgewinn für das Team Vereinigte Staaten. Ihr Putt kam Millimeter vor dem Loch zum Liegen. Während Korda enttäuscht in die Knie ging, nahm Sagstrom den Ball auf und warf ihn ihrer Kontrahentin zu. Das Loch war scheinbar mit Birdie geteilt. Doch dann mischte sich die Schiedsrichte- rin ein. Missy Jones stufte Sagstroms voreili- ges Aufnehmen als regelwidrig ein. In ihren Augen befand sich der Ball so nahe am Loch,
dass er als „an der Kante hängend“ definiert war. Was bedeutet: Korda hätten zehn Sekun- den Wartezeit zugestanden, in denen der Ball noch die Chance gehabt hätte, zum Eagle zu fallen. Sagstrom nahm den Ball vor Ablauf dieser Zeit auf. Nach kurzer Analyse stand fest: Sagstrom hatte gegen Regel 13.3a ver- stoßen. Fazit: Kordas Putt galt als gelocht, das Loch ging an Team USA, die so die Führung übernahmen. Nach Studium der TV-Bilder und Rück- sprache mit weiteren Regelhütern erklärte Jones nach der Partie: „Mein Eingriff war absolut konform, eine ganz eindeutige Ent- scheidung.“ Die LPGA Tour gab später noch eine Erklärung ab, in der es hieß, dass
AUTSCH Das ging ins Auge. Nelly Korda und Ally Ewing konnten Team USA nicht vor der Niederlage bewahren
21
GOLF TIME | 6-2021
www.golftime.de
Made with FlippingBook PDF to HTML5