GOLF TIME 6/2021
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Am Ende wurden es sechs Punkte. Unter dem Strich stand ein 15:13-Sieg, der zweite Aus- wärtserfolg des europäischen Teams im seit 1990 ausgetragenen Vergleich zwischen den besten Proetten Europas und denen der USA. MAGUIRE SPIELT GROSS AUF Doch alles der Reihe nach: Die Europäerin- nen starteten gut in den Finaltag und gin- gen früh in Führung. Rookie Leona Maguire lieferte ein überragendes Match gegen Jenni- fer Kupcho ab und gewann 5&4. Die Irin holte insgesamt 4,5 von 5 möglichen Punkten. Ein weiterer Punkt für Europa folgte kurz darauf, als Madelene Sagstrom mit 3&2 gegen Ally Ewing siegte. Wenige Minuten später sah es nach einer klaren Sache aus, als die Französin Céline Boutier die Ausgangslage mit einem 5&4-Sieg über Mina Harigae verbesserte. Auch am Finaltag gingen einige Matches bis auf die 18. Gleich imwichtigen, ersten Spiel holten Anna Nordqvist und Lexi Thompson jeweils einen halben Punkt für ihre Teams. Danach begann die große Aufholjagd von Team USA, als zunächst Nelly Korda mit einem 1-auf-Sieg über Georgia Hall einen Punkt zurückholte, während Nanna Koerstz Madsen und Austin Ernst ihr Match teilten. SOPHIA POPOV GLÜCKLOS Die Amerikanerinnen holten zwei weitere Punkte, als Megan Khang und Brittany Alto mare Sophia Popov und Carlota Ciganda be- siegten. Popov gelang es leider auch in ihrer dritten Partie nicht, etwas Zählbares mitzu- nehmen. Es hatte sich in den letzten Wochen schon ein wenig angedeutet, als die Form- kurve bei der einzigen deutschen Teilneh- merin deutlich nach unten ging. Im Mai stand sie noch beim LPGA Match Play im Finale und zeigte, dass sie auch im Lochspiel für Furore sorgen kann. Danach ging aber nicht mehr viel. Unter dem Strich steht für Popov ein Sieg mit dem Team, allerdings mit dem Bei- geschmack, in drei Partien keinen einzigen
Matilda Castren macht den Sack zu. Leona Maguire beeindruckt bei ihrem Debüt. Sophia Popov gewinnt mit dem Team. Enttäuschte Amerikanerinnen
einer Führung von 5,5 zu 2,5 ging. Da stellte man sich unweigerlich die Frage: „War es wirklich nötig, diese Partie mit einem Video beweis von außen zu beeinf lussen? Auf der größtmöglichen Bühne des Damengolfs ein Thema aufzumachen, das bei den Spielerin- nen auf dem Platz keines war?“ EUROPA HÄLT VORSPRUNG Tags darauf beruhigten sich die Gemüter aber wieder und die Amerikanerinnen versuchten in den beiden Sonntag-Vierer-Sessions den Rückstand aufzuholen. Doch Team Europe hielt weiterhin stark dagegen und so lautete vor den zwölf abschließenden Single-Matches der Score 9 zu 7 für Europa. Damit war klar, dass für das Team von US-Kapitänin Pat Hurst am amerikanischen Labor-Day-Montag ein regelrechter Kraftakt vonnöten war. Team Europa benötigte im Gegensatz dazu „nur“ fünf Punkte aus den zwölf Einzeln, um den Pokal erneut mit nach Europa zu neh- men und 5,5 Punkte, um ihn zu gewinnen.
sämtliche beteiligten Offiziellen der Meinung waren, dass Kordas Putt über die Kante hinausragte. TRÄNEN BEI DEN INTERVIEWS Am Ende der Partie gab es einen äußerst dezent bejubelten und tränenreichen Sieg der Amerikanerinnen. „Ich hoffe, sie nehmen uns das nicht übel“, kommentierte Korda schluchzend und stellte klar, dass weder sie, ihre Spielpartnerin Ewing noch die Caddies etwas mit dem Ruling zu tun hatten. Sagstrom schätzte die Lage wie folgt ein: „Natürlich habe ich mich nicht an die Regel gehalten, den Ball zehn Sekunden liegen zu lassen, aber ich glaube an die Integrität und die Ehre des Golfspiels, und ich würde niemals einen Ball aufheben, der die Chance hatte, noch ins Loch zu gehen. Es fühlt sich an, als hätte ich mein Team hängen lassen, das ist wirklich kein schönes Gefühl.“ Es war eine unschöne Szene eines spekta- kulären Golftages, aus dem Team Europa mit
CHARLEY HULL Die Engländerin spielte bereits zum fünften Mal beim Solheim Cup mit und steuerte in dieser Zeit 12,5 europäische Punkte bei. Zwei davon wanderten in Ohio auf das Konto. Trotz ihrer Niederlage im Einzel gegen Jessica Korda steht Hull wie kaum eine andere Spielerin für den europäi- schen Aufschwung beim Solheim Cup in den vergangenen Jahren.
NANNA KOERSTZ MADSEN Eine von drei Rookies, die von
MEL REID Mit 33 Jahren hat sie jede Menge Erfahrung und unterstützte ihr Team vor zwei Jahren als Vize-Kapi- tänin. Nun zurück in guter Verfassung und wieder ein wichtiger Bestandteil. Sicherte Europa 2,5 Punkte in den Team-Wettbewerben, erlebte in ihrem Einzel gegen Yealimi Noh einen Horrorstart (4 down nach 4). Doch Reid kämpfte sich, wie so oft, zurück und verlor erst am Ende auf der 18.
EMILY KRISTINE PEDERSEN Gewann ihr Match gegen Danielle Kang mit einem Birdie auf der 18, als Europa den Pokal bereits sicher hatte. Küsste nach der Partie den gegnerischen Caddie. Ein Versehen? Nein, denn Olly Brett unterstützt Kang auf dem Platz, ist aber Pedersens Freund. Hatte 2017 keinen guten Start in ihre Solheim-Cup- Laufbahn, verlor alle Matches. Schlüpfte vier Jahre später in eine Führungsrolle.
Catriona Matthew via Extraeinla- dung zum Kader stießen. Im Nach- hinein muss man sagen, dass die schottische Kapitänin ein wahrlich glückliches Händchen bewiesen hat. Denn auch die Dänin lieferte aus drei Partien 1,5 wichtige Punkte. Teilte die Partie gegen Austin Ernst in einer Phase des Aufwinds der USA.
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