GOLF TIME 7-8/2021

AUTO | VW-HYBRIDE

D er Ort, an dem VW seine Zu- kunft vorstellt, könnte kaum symbolhafter sein: Nur ein paar Meter entfernt von den Fahrzeugen mit Elektrokabel im Kofferraum steht das Stadion von Molde FK in Norwegen, in dem jener Fußballspieler erst- mals internationales Aufsehen erregte, dem wie keinem anderen auf der Welt die Zukunft gehört: Erling Haaland, der natürlich längst nicht mehr in Norwegen kickt, sondern bei Borussia Dortmund. VW hat die Palette seiner Plug-in-Hybride nach Norwegen geschafft, weil die Skandi- navier in Europa inzwischen eine Vorreiter- rolle spielen bei ihren Plänen mit elektrisch betriebenen Autos. Sauberes Fahren in einer sauberen Umwelt, könnte über der Veranstal- tung als Titel stehen. Von den Wolfsburgern können die Kunden unterdessen den Golf als E-Hybrid oder als GTE, den Tiguan sowie den Touareg und den Arteon in zwei Versionen als Plug-in-Hybrid bekommen. Interessant für Golfer sind insbesondere die Fahrzeuge mit geräumigem Kofferraum, der Touareg, der im Herbst 2020 als Plug-in-Hybrid auf den Markt kam, und der Arteon Shooting Brake: Diesen Namen erhielt der Wagen, weil er zwar ein Kombi ist, aber eine f ließend abfallende Heckpartie besitzt – das Design spielt halt auch bei Lastenträgern eine Rolle. QUAL DER WAHL Lohnt sich nun die Anschaffung eines Fahr- zeugs mit zwei Antrieben, einem E- und einemOttomotor? Vom Fahrspaß her gesehen ganz sicher. Der Touareg kommt mit einer Systemleistung von 381 PS vorgefahren. Wer es also darauf anlegt, dem stehen gewaltige Kräfte beim Zusammenspiel beider Motoren zur Verfügung. In 6,3 Sekunden kann der 2,3- Tonner auf Tempo 100 getrieben werden. Der andere Spaßfaktor hängt mit dem Verbrauch zusammen, VW gibt ihn mit 2,7 Litern auf 100 Kilometer an. Ein beeindruckender Wert, der aber nur dann zustande kommt, wenn der Pilot die ersten 47 Kilometer (das ist der angegebene Maximalwert für den Touareg) tatsächlich nur mit dem E-Motor dahinrollt. Bei den Testfahrten war die Batterie im Eco-Betrieb bereits nach etwa 40 Kilometern bei sanfter Fahrweise leer. Für den Rest der Strecke schaltete sich der 6-Zylinder-Otto­ motor mit ein, sodass nach 55 Kilometern bereits 2,5 Liter verbraucht waren. Dieser Wert lässt sich aber noch verbessern, weil der Motor während der Fahrt rekuperieren kann und sich die Batterie beim Bremsen wieder auf lädt. Der Spaß beim Fahren besteht dann darin, dass der Drehzahlmesser wäh-

SAUBER VORS CLUBHAUS

PROBEFAHRT VW stellt in Norwegen seine Plug-in- Hybride zum Test bereit. Dabei fällt auf: Mit der Kombination von zwei Motoren gehen weder Komfort noch Fahrspaß verloren. Und wer es möchte, fährt emissionsfrei. Mindestens 40 Kilometer.

PRODUKTPALETTE VW stellt in Norwegen seine Hybridautos vor, links der Touareg

Von Reinhold Schnupp

rend der Fahrt mit dem E-Motor durch- gehend auf null steht. Und das bedeutet, auch der Benzinverbrauch ist bei null. Natürlich kennen Sie bei VW die gängigen Vorwürfe gegen Hybridautos: zu schwer, weil zwei Motoren an Bord sind, gefahren wird nur mit Benzinmotor, weil die Kunden sich zwar gern mit einem E-Kennzeichen schmü- cken, aber keine Lust haben, die Batterie zu laden. Das mag vor allem bei den Kunden so sein, die keine eigene Auf ladestation vor der Haustür besitzen. Das wird sich nicht ändern lassen. Aber andere Probleme sind vermutlich gravierender, der hohe Anschaffungspreis etwa, der beim Touareg erst bei etwas unter 75.000 Euro in der Basisausstattung beginnt. Gelöst ist trotz der Investition dann aller- dings noch nicht die Frage, wie hoch der Wie- derverkaufswert nach drei oder fünf Jahren ist. Das Kernelement, die teure Batterie, verliert mit der Zeit ihre Kapazität. VW gibt daher eine achtjährige Garantie bis 160.000 Kilo- meter Lauf leistung. Und dann? Wie verläuft der Kapazitätsverlust der Energiespeicher? Benedikt Griffig, Sprecher für die Technolo- gie-Kommunikation, sagt dazu offen: „Noch wissen wir nicht, wie lange die Batterien hal- ten.“ Es fehlen nämlich die Erfahrungswerte. VIELE FRAGEZEICHEN Doch das ist nur eines von vielen Themen mit Fragezeichen um die noch junge Technik. Ein anderes: Wie sieht denn tatsächlich die Ökobilanz gegenüber einem herkömmlichen

Antrieb aus? Es gilt die Regel: Je größer der Energiespeicher, desto schlechter die Bilanz. Von der Bruttoleistung der Batterie im Toua- reg (17 kWh) sind 14 kWh nutzbar. Das reicht, um rund 40 Kilometer mit dem Gelände- wagen geräuschlos und ohne CO2-Ausstoß zu fahren. Geschätzte 150.000 Kilometer muss man wohl mindestens mit dem Plug-in-Hy- brid fahren, um endlich umweltverträglicher unterwegs zu sein. Batterien herzustellen und sie eines Tages einmal auch noch verwerten zu können, hinterlässt unangenehme Spuren. Sollte der Golfer für seine bis zu vier Ta- schen im Kofferraum dennoch zu der Beför- derungstechnik greifen, die Umweltschützer neben reinen E-Autos doch so mögen? Der Anteil beim Verkauf mit Batterie an Bord beträgt beim Touareg bereits 26 Prozent, Ten- denz steigend. Kein Wunder, beim Panamera von Porsche liegt der Wert sogar bei einem Anteil von 80 Prozent. Das Geheimnis da- hinter? Autos dieser Art leasen die Kunden. Damit umgehen sie einen weiteren Punkt, der Stirnrunzeln bei der Kundschaft auslöst: In ein paar Jahren könnte die Batterietechnik deutliche Fortschritte gemacht haben. Fort- schritte, die eine größere Reichweite ermög- lichen und eine schnellere Ladezeit. Dann möchte man sich keine Sorgen machen, wie man das gekaufte Auto mit überholter Tech- nik wieder loswird. Es gibt also schon einen Weg, um f lüster- leise vor demClubhaus vorzufahren. Und da mit auch noch als Umweltfreund zu gelten. GT

Treffender hätte Volkswagen seine Plug-in- Hybride nicht präsentieren können: in Norwegen, dem klassischen Markt für E-Vehicles

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